Klassische und Kognitive Verhaltenstherapie
Im Gegensatz zu den sogenannten psychodynamischen Verfahren (Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie), deren Theorien aus den Erfahrungen im Umgang mit Patienten abgeleitet wurden, entstand die Verhaltenstherapie aus der Lerntheorie.
Aus den Experimenten von I.P. Pawlow (Speichelreflex beim Hund) und B.F. Skinner (Auswahl eines Verhaltens je nach den erwarteten Konsequenzen) folgerte man, dass ähnliche Lernprozesse auch beim Menschen zu finden sein müssten. Und tatsächlich können Sie dies relativ leicht überprüfen, wenn Sie sich einen Moment Zeit nehmen und sich einmal vorstellen, wie Sie in eine saftige Zitrone beißen… Sehen Sie, der Speichelreflex funktioniert auch beim Menschen. Die klassische Verhaltenstherapie entwickelte daraus Modelle zum Beispiel der Entstehung von Angststörungen, die noch heute Anwendung finden. Die Logik der Veränderung in der klassischen Verhaltenstherapie liegt demnach in Trainingsprozessen oder in der Veränderung der Konsequenzen unseres Handelns.
Während vor allem B.F. Skinner meinte, dass Verhalten ausschließlich von erwarteten Konsequenzen bestimmt wird (alles andere sei nicht zu erfassen), entwickelte sich in den 70er Jahren der Ansatz der Kognitiven Verhaltenstherapie. Dieser geht davon aus, dass jede Situation aufgrund unserer Erfahrungen im Leben und vor dem Hintergrund unserer Einstellungen, Überzeugungen, Vorurteile und so weiter interpretiert wird. Und diese Interpretation der Realität sei schließlich entscheidend für unser Verhalten (Denken, Fühlen, Körperreaktionen und Handeln) in der jeweiligen Situation. Das jeweilige Verhalten hat dann bestimmte positive oder negative, kurz- oder langfristige Konsequenzen. Und diese bestimmen dann häufig, ob ein Mensch sich in der gleichen Situation wieder so verhält oder anders und sie bestätigen oder widerlegen unsere Einstellungen und Überzeugungen aus denen heraus wir handeln. In der Therapie müssen also vor allem unsere Bewertungen von Situationen verändert werden.
Denn:
Wir leiden nicht an dem was tatsächlich passiert, sondern an unserer Bewertung dessen!